Ensemble-Blog

Geschichten zum Weitererzählen: Die zweite Unvollendete

Paul Maar hat uns Anfänge von »unvollendeten Geschichten« zur Verfügung gestellt, die wir hier nach und nach lesen. Es wäre schön, wenn Sie sich ausdenken / Ihr Euch ausdenkt, wie die Geschichten weitergehen könnten. Erzählen Sie / erzählt sie bitte für uns alle weiter! Wir freuen uns auf Beiträge von Kindern und Jugendlichen genauso wie auf Post von Erwachsenen: per e-mail (an meinecoronageschichte@theater-massbach.de) oder als Brief (Ensemble des Theaters Schloss Maßbach, Parksiedlung 8, 97711 Maßbach). Ihr / Euer Einverständnis vorausgesetzt (bitte dazuschreiben), werden wir ausgewählte Beiträge zu einem späteren Zeitpunkt auf diesem Blog veröffentlichen.

Bennos Tagebuch
gelesen von Susanne Pfeiffer


Paul Maar:
Bennos Tagebuch

Vor einem halben Jahr, an seinem elften Geburtstag, hatte Benno von Tante Polly ein Tagebuch geschenkt bekommen.
Eigentlich war es damals noch gar kein Tagebuch gewesen, sondern nur ein Buch mit einem alten, abgewetzten Einband und leeren, unbeschriebenen Seiten. Ein Buch wird ja erst dann zu einem Tagebuch, wenn man regelmäßig etwas hineinschreibt. Und Benno schrieb fast jeden Abend in sein Buch.
Tante Polly hatte behauptet, es sei ein ganz besonderes Buch, das würde Benno schon bald merken. Und zwar dann, wenn er zu den blaufleckigen Seiten in der Mitte des Buches käme.
»Die darfst du aber erst benutzen, wenn die weißen Seiten davor restlos vollgeschrieben sind. Egal, ob du von hinten nach vorne ins Buch schreibst oder von vorne nach hinten«, hatte sie gesagt.
»Benutzen?«, hatte Benno gefragt. »Du meinst, ich darf auf diese Seiten
schreiben, trotz der Flecken?«
»Nein, ich meine benutzen«, hatte Tante Polly gesagt. »Du wirst es schon
merken, wenn du so weit bist. Es ist, wie ich schon sagte, ein ganz besonderes Buch.“
Bald würde sich herausstellen, ob Tante Polly die Wahrheit gesagt hatte. Denn Benno hatte nun alle Seiten vor der Buchmitte beschrieben. Heute würde er zu den fleckigen Seiten kommen.
Schon als Benno die erste der blauen Seiten umblätterte, fühlte er ein seltsames Vibrieren des ganzen Buches, eine leichte Bewegung, fast wie das Atmen eines Tieres oder eines Menschen.
Erschrocken legte er das Buch erst mal zur Seite.
Doch Benno war ein neugieriger Junge und sogar ziemlich mutig. So zog er das Buch wieder zu sich heran und schlug es in der Mitte auf. Auf der Doppelseite, die nun vor ihm lag, zeigten sich mindestens zwanzig große und kleine blaue Flecken. Benno glaubte nicht recht an Tante Pollys Geschichte. Die blauen Punkte störten ihn, er hätte gerne weiter ins Tagebuch geschrieben. Es schienen Tintenkleckse zu sein. So holte er den Tintenkiller aus seinem Federmäppchen und versuchte, die Flecken zu entfernen. Aber kaum hatte die Spitze des Tintenkillers einen kleinen Flecken berührt, glitt der zum Rand des Buches, sprang als lebendige, kleine blaue Maus aus dem Buch auf den Tisch, von dort auf den Boden und verschwand hinter dem Schrank.
Benno war verblüfft. Vorsichtig tippte er mit dem Zeigefingen auf einen anderen kleinen Flecken. Wie vorher glitt auch der zum Buchrand und fiel als blaue Katze vom Buch auf den Tisch.
Die Katze schien genau zu wissen, wo sich die Maus versteckt hatte. Sie raste zum Schrank und begann wie wild daran zu kratzen.
»He, zerkratz mir nicht den ganzen Schrank!«, rief Benno, ging zu ihr hin und nahm sie auf den Arm. Sie ließ das willig mit sich geschehen.
Benno trug sie zur Tür, öffnete, setzte die Katze draußen ab und schloss die
Tür hinter ihr.
Als er zu seinem Platz am Tisch zurückkam, sah er, dass die Katze draußen
auf dem Fenstersims saß und aufmerksam durch die Scheibe nach drinnen
blickte.
Man musste die Flecken also antippen, sagte Benno sich, dann würden sie zu etwas Lebenden. Was würde wohl aus dem Flecken auf der rechten Buchseite werden, wenn er darauf tippte? Es war ein großer Klecks, fast so groß wie die Hand eines kleinen Kindes.
Benno nahm seinen ganzen Mut zusammen, streckte den Zeigefinger aus, und tippte …

1 Kommentar

Linear

  • Sonja Wallenborn  
    Hi Susanne, schön dich zu sehen!!!! Hab dich lieb. :-)
    Der große Klecks ist ein...…. hm.... Bernhardiner, der die Katze vor dem Dinosaurier retten will, der im nächsten Klecks lauert? Aber eigentlich wollen alle nur miteinander spielen.

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